Alkoholprobleme bei Frauen

Warnzeichen erkennen und den Weg zurück zu dir finden

„Ich habe doch alles im Griff.“

Vielleicht ist genau dieser Satz das Erste, was du denkst, wenn du über deinen Alkoholkonsum nachdenkst.

Du gehst arbeiten. Du kümmerst dich um deine Familie. Du erledigst den Haushalt, triffst Freunde und bekommst deinen Alltag irgendwie organisiert.

Und trotzdem gibt es diesen Moment am Abend, auf den du dich bereits am Nachmittag freust:

Endlich ein Glas Wein. Endlich abschalten. Endlich Ruhe im Kopf.

Vielleicht bleibt es nicht bei einem Glas.

Vielleicht hast du dir schon mehrfach vorgenommen, weniger zu trinken. Vielleicht hattest du sogar alkoholfreie Tage oder Wochen und bist anschließend wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen.

Wenn du dich darin wiedererkennst, bist du damit nicht allein.

Alkoholprobleme bei Frauen können sich schleichend entwickeln. Sie sind nicht immer von außen erkennbar und haben nichts mit mangelnder Willenskraft oder einem „schlechten Charakter“ zu tun. Eine Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung, die behandelt werden kann.

Dieser Artikel soll dir helfen, dein eigenes Trinkverhalten ehrlich anzuschauen, Warnzeichen zu erkennen und herauszufinden, welche Unterstützung möglich ist.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Wenn du regelmäßig viel Alkohol trinkst oder körperliche Entzugssymptome bemerkst, solltest du Alkohol nicht eigenständig abrupt absetzen. Ein sogenannter kalter Entzug kann gefährliche Komplikationen verursachen und sollte medizinisch begleitet werden.


Was sind Alkoholprobleme bei Frauen?

Nicht jede Frau, die Alkohol trinkt, hat ein Alkoholproblem.

Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Alkohol zunehmend Kontrolle über deinen Alltag bekommt.

Vielleicht entscheidest du nicht mehr bewusst:

„Ich möchte heute etwas trinken.“

Sondern dein Tag fühlt sich irgendwann so an:

„Ich brauche heute etwas zu trinken.“

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Alkoholprobleme können sich beispielsweise darin zeigen, dass du:

  • häufiger trinkst als geplant,
  • mehr Alkohol benötigst als früher,
  • immer wieder erfolglos versuchst, weniger zu trinken,
  • Alkohol zur Entspannung oder Problembewältigung brauchst,
  • häufig an Alkohol denkst,
  • wegen Alkohol Konflikte bekommst,
  • wichtige Aufgaben vernachlässigst,
  • trotz negativer Folgen weitertrinkst,
  • ohne Alkohol körperliche oder psychische Beschwerden bekommst.

Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich häufig schleichend. Zu den typischen Merkmalen gehören unter anderem starkes Verlangen, Kontrollverlust, Vernachlässigung anderer Interessen und Entzugssymptome.


Warum Alkoholprobleme bei Frauen oft lange unbemerkt bleiben

Vielleicht stellst du dir unter einer alkoholabhängigen Frau ein bestimmtes Bild vor.

Eine Frau, die morgens bereits Alkohol trinkt.

Eine Frau, die ihren Alltag überhaupt nicht mehr bewältigt.

Eine Frau, der man ihre Sucht sofort ansieht.

Die Realität kann ganz anders aussehen.

Viele Menschen funktionieren über lange Zeit erstaunlich gut.

Sie gehen zur Arbeit.

Sie kümmern sich um Kinder.

Sie führen Beziehungen.

Sie organisieren ihren Alltag.

Und trinken trotzdem regelmäßig Alkohol, um mit Stress oder unangenehmen Gefühlen umzugehen.

Gerade deshalb können Alkoholprobleme lange verborgen bleiben.

Vielleicht sogar vor dir selbst.


„Ich trinke doch nur Wein“

Ein Satz, den viele Frauen kennen.

Wein wird gesellschaftlich häufig anders wahrgenommen als Schnaps oder hochprozentige Getränke.

Ein Glas Rotwein zum Abendessen wirkt harmlos.

Ein Glas Weißwein beim Fernsehen ebenfalls.

Aber für die gesundheitliche Bewertung ist entscheidend, wie viel reiner Alkohol enthalten ist, nicht ob das Getränk Wein, Bier oder Spirituosen heißt.

Die WHO weist darauf hin, dass alle alkoholischen Getränke gesundheitliche Risiken bergen und dass es keinen gesundheitlich völlig risikofreien Alkoholkonsum gibt.

Deshalb solltest du dein Trinkverhalten nicht danach beurteilen, welches Getränk du bevorzugst.

Die wichtigere Frage lautet:

Welche Rolle spielt Alkohol in meinem Leben?


Alkohol als tägliches Feierabendritual

Vielleicht sieht dein Alltag ungefähr so aus:

17:00 Uhr

Du bist erschöpft und denkst:

„Heute war wieder richtig viel.“

18:00 Uhr

Du erledigst noch Haushalt, Einkauf oder Familienaufgaben.

20:00 Uhr

Endlich ist Ruhe.

Du öffnest eine Flasche Wein.

20:30 Uhr

Du fühlst dich entspannter.

22:00 Uhr

Du gehst schlafen.

Am nächsten Morgen

Du bist müde und nicht richtig erholt.

Nächster Arbeitstag

Wieder Stress.

Nachmittag

Der Gedanke:

„Heute brauche ich wieder mein Glas Wein.“

So kann aus einem gelegentlichen Genuss ein festes Ritual werden.


Alkohol und Stress: Wenn das Getränk zur Problemlösung wird

Alkohol kann kurzfristig entspannend wirken.

Genau deshalb wird er häufig eingesetzt, um Stress zu reduzieren.

Das Problem:

Du lernst möglicherweise, dass Alkohol die schnellste Möglichkeit ist, dich besser zu fühlen.

Stress?

Alkohol.

Traurigkeit?

Alkohol.

Einsamkeit?

Alkohol.

Ärger?

Alkohol.

Feierabend?

Alkohol.

Damit entsteht eine Verbindung zwischen einem unangenehmen Gefühl und dem Getränk.

Je häufiger du diese Verbindung nutzt, desto automatischer kann sie werden.


Mental Load und Alkoholprobleme

Viele Frauen tragen im Alltag eine enorme organisatorische Verantwortung.

Wer denkt an den Arzttermin?

Wer plant den Kindergeburtstag?

Wer kauft Lebensmittel?

Wer organisiert die Ferien?

Wer kümmert sich um Rechnungen?

Wer weiß, wann die nächste Untersuchung der Eltern stattfindet?

Diese unsichtbare Denkarbeit wird häufig als Mental Load bezeichnet.

Wenn du den ganzen Tag für andere funktionierst, kann Alkohol am Abend wie eine kleine Flucht wirken.

„Jetzt muss ich für niemanden mehr funktionieren.“

Wenn du diesen Gedanken kennst, lohnt sich eine wichtige Frage:

Brauche ich wirklich Alkohol – oder brauche ich eigentlich Entlastung?


Alkoholprobleme und psychische Gesundheit

Alkohol und psychische Gesundheit können eng miteinander verbunden sein.

Manche Menschen trinken, weil sie sich bereits schlecht fühlen.

Andere entwickeln im Laufe eines problematischen Alkoholkonsums zusätzliche psychische Beschwerden.

Die WHO nennt unter anderem psychische und verhaltensbezogene Erkrankungen sowie soziale und gesundheitliche Folgen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum.

Besonders wichtig ist deshalb, nicht nur das Trinkverhalten zu betrachten.

Vielleicht gibt es dahinter:

  • chronischen Stress,
  • Angst,
  • depressive Stimmung,
  • Einsamkeit,
  • Überforderung,
  • Beziehungskonflikte,
  • berufliche Belastung,
  • ungelöste traumatische Erfahrungen.

Wenn Alkohol deine einzige Möglichkeit geworden ist, mit solchen Situationen umzugehen, ist professionelle Unterstützung besonders sinnvoll.


Alkoholprobleme bei Frauen: Diese Warnzeichen solltest du ernst nehmen

1. Du trinkst mehr als geplant

Du wolltest ein Glas.

Es werden zwei oder drei.

Und am nächsten Morgen ärgerst du dich darüber.

2. Du hast bereits erfolglos versucht, weniger zu trinken

Du nimmst dir vor:

„Ab Montag trinke ich weniger.“

Doch wenige Tage später ist alles wieder wie vorher.

3. Alkohol wird zur Belohnung

Du hast einen anstrengenden Tag?

Du hast etwas geschafft?

Du möchtest dich entspannen?

Alkohol wird zum festen Belohnungssystem.

4. Du versteckst deinen Konsum

Vielleicht trinkst du heimlich.

Oder du erzählst anderen nicht, wie viel du tatsächlich konsumierst.

5. Du denkst häufig an Alkohol

Der Feierabend beginnt bereits im Kopf mit dem Gedanken an das erste Glas.

6. Du brauchst zunehmend mehr

Die gleiche Menge wirkt nicht mehr wie früher.

Das kann ein Zeichen einer Toleranzentwicklung sein.

7. Du trinkst trotz negativer Folgen weiter

Vielleicht leidet dein Schlaf.

Vielleicht gibt es Streit.

Vielleicht fühlst du dich am nächsten Morgen schlecht.

Und trotzdem trinkst du wieder.

Diese Warnzeichen können auf ein problematisches Trinkverhalten oder eine Alkoholabhängigkeit hindeuten. Eine medizinische Diagnose kann jedoch nur fachlich gestellt werden.


Alkohol und Frauenkörper: Warum das Gesundheitsrisiko ernst genommen werden sollte

Alkohol betrifft nicht nur die Leber.

Die WHO beschreibt Alkohol als toxische, psychoaktive und abhängig machende Substanz. Alkoholkonsum ist außerdem ursächlich mit mehreren Krebsarten verbunden. Dazu gehört auch Brustkrebs bei Frauen.

Die WHO/Europa weist darauf hin, dass Alkohol ein wichtiger beeinflussbarer Risikofaktor für Brustkrebs ist.

Auch geringe Mengen sind nicht vollkommen risikofrei.

Das bedeutet nicht, dass du nach einem Glas Wein sofort gesundheitliche Schäden bekommst.

Es bedeutet:

Es gibt keine Menge Alkohol, die für die Gesundheit garantiert risikofrei ist.

Je weniger Alkohol konsumiert wird, desto geringer ist das alkoholbedingte Risiko.


Alkohol und Schlaf

Vielleicht trinkst du, weil du glaubst:

„Mit einem Glas Wein schlafe ich besser ein.“

Du kannst tatsächlich schneller müde werden.

Doch das bedeutet nicht automatisch, dass dein Schlaf erholsamer wird.

Wenn du regelmäßig Alkohol zum Einschlafen nutzt und gleichzeitig morgens müde aufwachst, lohnt sich eine Veränderung.

Schlafprobleme können wiederum dazu führen, dass du tagsüber weniger belastbar bist.

Du bist gereizter.

Du bist erschöpfter.

Und am Abend möchtest du erneut entspannen.

Auch hier kann ein Kreislauf entstehen.


Alkohol und Wechseljahre

Für viele Frauen verändert sich ab etwa 40 oder 50 Jahren einiges.

Hormonschwankungen, Schlafprobleme, berufliche Veränderungen, Familienbelastungen und neue Lebensphasen können zusammenkommen.

Alkohol kann dabei zusätzlich problematisch werden, insbesondere wenn er regelmäßig als Mittel gegen Stress, Schlafprobleme oder innere Unruhe eingesetzt wird.

Wenn du Veränderungen bemerkst, die du mit den Wechseljahren verbindest, solltest du Beschwerden medizinisch abklären lassen, anstatt Alkohol als Selbstmedikation einzusetzen.


Der erste Schritt: Ehrlich hinschauen

Du musst nicht sofort dein komplettes Leben verändern.

Beginne mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme.

Schritt 1: Führe ein Trinktagebuch

Notiere für zwei bis drei Wochen:

  • Wann trinke ich?
  • Was trinke ich?
  • Wie viel trinke ich?
  • Warum trinke ich?
  • Wie fühle ich mich vorher?
  • Wie fühle ich mich danach?

Gesund.bund.de empfiehlt, den eigenen Konsum über einige Wochen zu dokumentieren, weil Menschen ihre Trinkmenge häufig unterschätzen.


Schritt 2: Erkenne deine Auslöser

Vielleicht bemerkst du:

Ich trinke immer nach stressigen Arbeitstagen.

Oder:

Ich trinke besonders häufig, wenn ich mich alleine fühle.

Oder:

Ich kann ohne Alkohol nicht richtig abschalten.

Das ist eine wichtige Erkenntnis.

Denn jetzt weißt du, woran du arbeiten kannst.


Schritt 3: Finde heraus, was du eigentlich brauchst

Wenn du nach einem anstrengenden Tag trinken möchtest, frage dich:

„Was brauche ich gerade wirklich?“

Vielleicht:

  • Ruhe
  • Schlaf
  • Unterstützung
  • Nähe
  • Bewegung
  • ein Gespräch
  • Zeit alleine
  • Entlastung

Alkohol kann diese Bedürfnisse kurzfristig überdecken.

Er löst sie aber nicht.


Schritt 4: Ersetze das Ritual

Wenn dein Feierabend immer mit Alkohol beginnt, brauchst du möglicherweise ein neues Ritual.

Probiere beispielsweise:

17:30 Uhr: Feierabendspaziergang

18:00 Uhr: Dusche oder Bad

18:30 Uhr: Abendessen

20:00 Uhr: Tee oder anderes alkoholfreies Getränk

20:30 Uhr: Musik, Lesen oder Film

Es geht nicht darum, einen perfekten Tagesplan zu entwickeln.

Es geht darum, deinem Gehirn neue Wege zur Entspannung anzubieten.


Welche Ausstattung ist wichtig?

Auch bei einem Artikel über Alkoholprobleme stellt sich die Frage nach der „richtigen Ausstattung“.

Die wichtigste Ausstattung ist allerdings nicht materiell.

Trinktagebuch

Damit du dein Verhalten sichtbar machst.

Kalender

Damit du alkoholfreie Aktivitäten planen kannst.

Wasserflasche

Damit du im Alltag regelmäßig trinkst.

Bequeme Schuhe

Für einen Spaziergang oder eine kleine Bewegungseinheit.

Notizbuch

Für Gedanken, Gefühle und Auslöser.

Telefonnummer

Speichere die Nummer einer Person, die du im Notfall oder bei starkem Trinkdruck anrufen kannst.

Und vor allem:

Professionelle Unterstützung

Eine Hausärztin, ein Hausarzt oder eine Suchtberatungsstelle kann wesentlich wichtiger sein als jedes Produkt.


Was tun, wenn der Wunsch nach Alkohol kommt?

Der Wunsch nach Alkohol kann manchmal plötzlich auftreten.

Versuche zunächst, eine kurze Pause zwischen Wunsch und Handlung einzubauen.

Die 15-Minuten-Strategie

Wenn kein körperlicher Entzug besteht und es für dich sicher ist:

1. Warte 15 Minuten.

2. Trink ein alkoholfreies Getränk.

3. Verlasse den Raum, in dem Alkohol steht.

4. Geh kurz nach draußen.

5. Ruf jemanden an.

6. Beschäftige dich bewusst mit einer anderen Tätigkeit.

Vielleicht wird der Wunsch schwächer.

Wenn du jedoch körperlich abhängig bist, ist dies kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.


Was tun, wenn du körperlich abhängig bist?

Das ist einer der wichtigsten Punkte dieses gesamten Artikels.

Wenn dein Körper an regelmäßigen Alkoholkonsum gewöhnt ist, kann ein plötzlicher Entzug gefährlich sein.

Mögliche Entzugssymptome sind beispielsweise:

  • Zittern
  • Schwitzen
  • Angst
  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Herzrasen

In schweren Fällen können Krampfanfälle und andere gefährliche Komplikationen auftreten.

Gesund.bund.de warnt deshalb ausdrücklich vor einem unbegleiteten „kalten Entzug“. Eine Alkoholabhängigkeit sollte medizinisch behandelt werden.

Wenn du vermutest, abhängig zu sein, sprich zuerst mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Suchtberatungsstelle.


Du musst dich nicht schämen

Vielleicht hast du lange versucht, dein Problem zu verstecken.

Vielleicht denkst du:

„Wie konnte mir das passieren?“

Oder:

„Ich hätte mich besser im Griff haben müssen.“

Versuche, diese Gedanken loszulassen.

Eine Alkoholabhängigkeit ist keine moralische Schwäche.

Sie ist eine Erkrankung.

Und Erkrankungen können behandelt werden.

Gesund.bund.de weist darauf hin, dass die meisten Menschen mit Alkoholabhängigkeit Unterstützung benötigen und dass die Erkrankung behandelbar ist.


Hilfe bei Alkoholproblemen: Welche Möglichkeiten gibt es?

Du musst nicht sofort in eine Klinik.

Es gibt verschiedene Formen der Unterstützung.

Hausärztliche Praxis

Eine Hausärztin oder ein Hausarzt kann deine Situation medizinisch einschätzen und weitere Schritte empfehlen.

Suchtberatungsstelle

Suchtberatungsstellen bieten Beratung und Unterstützung und können gemeinsam mit dir passende Hilfen planen.

Psychotherapie

Wenn Alkohol mit Stress, Angst, Depression, traumatischen Erfahrungen oder anderen psychischen Problemen verbunden ist, kann Psychotherapie eine wichtige Rolle spielen.

Selbsthilfegruppen

Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.

Entzugsbehandlung

Bei körperlicher Abhängigkeit kann eine medizinisch begleitete Entgiftung notwendig sein.

Entwöhnungsbehandlung

Nach einem Entzug kann eine weiterführende Behandlung helfen, langfristig ohne Alkohol zu leben.

Gesund.bund.de beschreibt die qualifizierte Entzugsbehandlung als Kombination aus körperlicher Entzugsbehandlung, Behandlung psychischer und körperlicher Begleitprobleme und Planung einer längerfristigen Therapie.


Muss ich für immer auf Alkohol verzichten?

Wenn eine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert wurde, ist die Frage nach kontrolliertem Trinken besonders wichtig.

Nach einer Entwöhnungsbehandlung empfiehlt gesund.bund.de grundsätzlich vollständigen Alkoholverzicht, weil bereits kleine Mengen das Rückfallrisiko erhöhen können.

Das kann zunächst erschreckend wirken.

Vielleicht denkst du:

„Nie wieder?“

Versuche, nicht dein gesamtes zukünftiges Leben auf einmal zu betrachten.

Der erste Schritt kann einfach sein:

Heute keinen Alkohol trinken.

Morgen kannst du dich erneut um den nächsten Tag kümmern.


Alkoholprobleme und Rückfälle

Ein Rückfall kann sich wie persönliches Versagen anfühlen.

Aber bei einer Suchterkrankung ist es sinnvoller, einen Rückfall als Signal zu betrachten:

Was hat ihn ausgelöst?

War es:

  • Stress?
  • Streit?
  • Einsamkeit?
  • eine Feier?
  • eine bestimmte Person?
  • ein Arbeitsplatzproblem?
  • ein emotional schwieriger Tag?

Diese Informationen können helfen, die Behandlung anzupassen und zukünftige Rückfälle besser zu verhindern.

Bei Alkoholabhängigkeit solltest du einen Rückfall ernst nehmen und möglichst schnell professionelle Unterstützung einbeziehen.


Alkoholprobleme bei Frauen und Familie

Viele Frauen trinken heimlich, weil sie Angst haben, dass andere sie für eine schlechte Mutter oder Partnerin halten.

Doch Schweigen kann das Problem verstärken.

Wenn du Kinder hast, kann professionelle Unterstützung besonders wichtig sein.

Nicht weil du eine schlechte Mutter bist.

Sondern weil du Unterstützung verdienst und deine Gesundheit wichtig ist.

Wenn du Sorge hast, dass dein Alkoholkonsum deine Kinder beeinträchtigt, sprich mit einer professionellen Beratungsstelle oder einer medizinischen Fachperson.


Ein neuer Alltag ohne Alkohol

Vielleicht kannst du dir momentan gar nicht vorstellen, wie dein Alltag ohne Alkohol aussehen soll.

Das ist verständlich.

Alkohol kann mit bestimmten Situationen eng verbunden sein:

  • Abendessen
  • Urlaub
  • Restaurant
  • Freunde
  • Fernsehen
  • Wochenende
  • Feiern

Mit der Zeit können neue Rituale entstehen.

Ein alkoholfreier Cocktail.

Ein Spaziergang.

Sport.

Kochen.

Lesen.

Sauna.

Musik.

Reisen.

Freunde.

Hobbys.

Und vielleicht entdeckst du irgendwann etwas wieder, das lange verloren gegangen ist:

deine eigene Energie.


7 kleine Schritte für einen Neustart

Wenn du etwas verändern möchtest, kannst du klein beginnen.

Tag 1: Ehrlich aufschreiben

Wie viel trinkst du tatsächlich?

Tag 2: Einen Auslöser identifizieren

Wann möchtest du besonders häufig trinken?

Tag 3: Mit jemandem sprechen

Erzähle einer vertrauten Person, wie es dir geht.

Tag 4: Eine alkoholfreie Aktivität planen

Zum Beispiel einen Spaziergang.

Tag 5: Unterstützung recherchieren

Suche eine Suchtberatungsstelle oder vereinbare einen Arzttermin.

Tag 6: Einen belastenden Faktor reduzieren

Welche Aufgabe kannst du abgeben?

Tag 7: Rückblick

Was hat dir geholfen?

Was war schwierig?

Welche Unterstützung brauchst du?

Wichtig: Wenn eine körperliche Abhängigkeit möglich ist, sollte diese 7-Tage-Challenge nicht als Anleitung zu einem eigenständigen Alkoholentzug verstanden werden.


Alkoholprobleme sind kein persönliches Versagen

Vielleicht hast du bisher gedacht:

„Ich bin einfach nicht diszipliniert genug.“

Doch eine Suchterkrankung lässt sich nicht auf Willenskraft reduzieren.

Biologische, psychische und soziale Faktoren können zusammenspielen.

Deshalb ist professionelle Unterstützung so wichtig.

Du musst nicht beweisen, dass du es alleine schaffen kannst.

Du darfst dir helfen lassen.


Wann solltest du sofort Hilfe holen?

Wenn du nach dem Trinken oder beim Absetzen schwere Beschwerden entwickelst, solltest du medizinische Hilfe suchen.

Bei akuter Gefahr oder schweren Symptomen gilt in Deutschland:

112 – Rettungsdienst.

Bei einer akuten psychischen Krise kannst du außerdem die TelefonSeelsorge unter 116 123 erreichen.

Wenn du unsicher bist, ob deine Situation medizinisch dringend ist, wende dich an eine ärztliche Anlaufstelle.


Fazit: Alkoholprobleme bei Frauen können behandelt werden

Alkoholprobleme bei Frauen sind häufig weniger sichtbar, als viele Menschen denken.

Du musst nicht morgens Alkohol trinken oder täglich betrunken sein, damit dein Trinkverhalten problematisch geworden sein kann.

Vielleicht ist es der tägliche Feierabendwein.

Vielleicht das regelmäßige Trinken am Wochenende.

Vielleicht das heimliche Glas nach einem stressigen Tag.

Vielleicht hast du längst versucht, weniger zu trinken, und es funktioniert nicht dauerhaft.

Dann ist es Zeit, genauer hinzuschauen.

Alkohol ist gesundheitlich nicht risikofrei und steht unter anderem mit verschiedenen Krebsarten in Zusammenhang. Für Frauen ist insbesondere der Zusammenhang mit Brustkrebs relevant.

Noch wichtiger ist aber:

Du bist deinem Alkoholproblem nicht ausgeliefert.

Eine Alkoholabhängigkeit ist behandelbar. Es gibt ärztliche Hilfe, Suchtberatung, Psychotherapie, Entzugs- und Entwöhnungsbehandlungen sowie Selbsthilfeangebote.

Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, musst du nicht morgen dein komplettes Leben verändern.

Mach einen einzigen Schritt.

Sprich mit jemandem.

Vereinbare einen Termin.

Führe ein Trinktagebuch.

Oder sage heute einfach zum ersten Mal laut:

„Ich glaube, ich habe ein Problem mit Alkohol und möchte etwas verändern.“

Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Das kann der Anfang deines Weges zurück zu dir selbst sein.

Deine Frage zum Schluss

Welche Situation bringt dich am häufigsten dazu, Alkohol zu trinken – Stress, Einsamkeit, Langeweile, Feierabend oder etwas ganz anderes?

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